gemeinnütziger Tierschutzverein - Hilfe für Hunde in Not

Italien

Zusammen mit Claudia R., einigen privaten TierschützerInnen (Iva und Assunta), Tierauffangstationen (Alba und Linda) sowie der italienischen Tierschutzorganistation ALFA (Associazione Love For Animals) agieren wir in Tierheimen und auf den Strassen in und um Rom. Mehr Informationen zu aktuellen und laufenden Projekte finden Sie unter dem Punkt „unsere Aktionen“.


Häufige Situation in Italien

Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in Italien bereits seit 1991 keine Tötungsstationen mehr, in denen eingefangene Streunerhunde nach Ablauf einer kurzen Frist getötet werden. Das Töten wurde mit Inkrafttreten des Tierschutzgesetzes 281/1991 verboten und das Aussetzen von Hunden wird seitdem mit Geldbuße oder Gefängnisstrafe geahndet. Außerdem sind Hundehalter gemäß diesem Gesetz verpflichtet, ihren Hund zu chippen und in der Anagrafe canina – einem nationalen Haustierregister – beim zuständigen Veterinäramt, registrieren zu lassen. Auch hat der Staat die gesetzliche Verpflichtung, der stetig steigenden Anzahl von Streunerhunden entgegenzuwirken und für eine Geburtenkontrolle zu sorgen. Das klingt in der Theorie hervorragend und eigentlich könnte Italien stolz darauf sein, ein umfangreiches und fortschrittliches Tierschutzgesetz verabschiedet zu haben. Doch leider existiert das Gesetz nur auf dem Papier und findet in der Realität keine Anwendung. Schlimmer noch. Statt Tötungsstationen gibt es nun Canile (Auffanglager/Tierheime) und entstanden ist ein System, welches für die Hunde statt einer Veränderung zum Positiven nun ein qualvolles, oft lebenslanges Leiden anstelle des Todes bringt.

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Canile funktionieren nicht wie Tierheime im üblichen Sinne. Sie haben vielmehr den Charakter und die Qualität von Sammellagern, aus denen die meisten Hunde – sind sie einmal drin – nie wieder heraus kommen. Adoptionen sind oft nicht erwünscht, Besuchern und oft auch Tierschützern wird der Zutritt verwehrt. Auf der Grundlage des neuen Tierschutzgesetzes entwickelte sich ein lukratives und florierendes Geschäft privater Firmen oder ital. Tierschutzorganisationen, da der italienische Staat die Canilebetreiber finanziell unterstützt und die Gemeinden für jeden Hund pro Tag zwischen einem und sieben Euro zahlen. Bei 500 Hunden sind das bis zu 3.500 Euro am Tag und 105.000 Euro im Monat. Eine lukrative Sache für die Betreiber, denen jeglicher Tierschutzgedanke fremd ist. Je mehr Hunde – desto höher der Verdienst. Je niedriger die Ausgaben – desto höher der Gewinn. Damit waren die Hundehöllen besiegelt. Selbstredend, dass das Geld der Gemeinden zum großen Teil nicht für die adäquate Unterbringung und Versorgung der Hunde aufgewendet wird, sondern in die Taschen der Betreiber wandert. Das Gesetz schreibt vor, dass jede Gemeinde ihr eigenes Canile bauen und betreiben sollte, was fast immer mit der Begründung „zu wenig Geld“ abgelehnt wird. Eine Vogel-Strauss-Politik – ohne Weitblick und Wunsch dem Problem Herr zu werden.

Das Einfangen und Wegsperren der Hunde verändert nichts an der hohen Anzahl der Straßenhunde, die sich weiter vermehren und so für ständigen Nachschub sorgen.

Seit einiger Zeit zeigt sich noch ein neuer Aspekt, hervorgerufen durch die bestehende politische und finanzielle Krise in Italien. Waren/sind es die Betreiber, die das Geld kassierten ohne Gegenleistung für die Hunde zu erbringen, sind mittlerweile viele Gemeinden im Zahlungsverzug. Die Gemeindekassen sind leer, bzw. das vorhandene Geld wird ungern oder nicht für die Kosten der Hunde verwendet. Das bringt einige Canilebetreiber in große Schwierigkeiten, denn sie haben einen Vertrag und sind verpflichtet, für die Hunde zu sorgen. Manche sind mittlerweile monate- oder sogar jahrelang in Vorkasse gegangen, speziell, was das Futter betrifft. Somit bleibt notwendige medizinische Versorgung der Tiere völlig auf der Strecke. Immer mehr Canili sind hoch verschuldet und die Betreiber versuchen verzweifelt, sie zu abzustoßen. Meist ohne Erfolg. Den Hunden geht es schlechter denn je.

Was bedeutet ein Canileaufenthalt für die Hunde?

Trostloses Dahinvegetieren in kahlen, nackten, betonierten Zwingern, die sie nie mehr verlassen werden. Fast immer ohne jegliche Zuwendung, ohne Abwechslung, Ansprache oder Auslauf. Ein Leben auf ein paar Quadratmetern, ein Leben in Dreck und Gestank und Hoffnungslosigkeit. Oft gibt es keinen Schutz vor Hitze oder Kälte, keine Rückzugsmöglichkeiten. Der Stress- und Lärmpegel ist enorm hoch. Mit viel Glück gibt es zumindest regelmäßig Futter und Wasser, gerade genug um am Leben zu bleiben. In Spitzenzeiten wie im Sommer, wo besonders viele Hunde ausgesetzt werden, sind die Boxen überfüllt und die „Setzungen“ führen zu oft tödlichen Auseinandersetzungen. In manchen Canilen werden die Hunde nicht kastriert und vermehren sich. Adäquate tierärztliche Versorgung ist Fehlanzeige, Krankheiten werden oft nicht behandelt, Verletzungen nicht versorgt und die Hunde verenden qualvoll. Die Kadaver verbleiben oft einfach in den Zwingern und es wird weiter die Tagespauschale der Gemeinde eingestrichen.

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Von der Straße einsammeln, wegsperren, vergessen und Geld kassieren – das ist gängige Praxis in Italien.

Die Vermittlungschancen dieser Hunde in Italien selbst sind eher gering, speziell wenn sie in bestimmtes Alter überschritten haben. Tierschützern vor Ort ist es über die Jahre nicht gelungen, an diesem System etwas zu verändern. Der Durchschnittsitaliener besucht kaum ein Canile, um sich einen Hund auszusuchen. Lieber geht er zum Züchter oder nimmt einen Welpen, den sein Nachbar oder ein Verwandter mal schnell von seiner Hündin hat werfen lassen.

In Italien gibt es keine bundeseinheitliche Regelung über Tierschutz. Regione (Region) – Provincia (Provinz) – Comune (Gemeinde) – sind drei politische Organisationseinheiten, die für herrenlose Hunde verantwortlich sind. Jede Region hat ihr eigenes Gesetz, welches die Einrichtung und den Betrieb von Tierheimen regelt. Jede Gemeinde hat (was ihre eigenen Hunde betrifft) im Rahmen des übergeordneten regionalen Gesetzes insoweit kommunales Selbstbestimmungsrecht.

Würden die zur Verfügung gestellten (Steuer-)Gelder statt in die Taschen der Canilebetreiber in staatliche Geburtenkontrolle der Streuner- und Canilehunde und nachhaltige Projekte (wie z.B. Aufklärungskampagnen, Schulprojekte) investiert, würden die jeweiligen Gemeinden Verantwortung übernehmen, sich für eine artgerechte Unterbringung und Versorgung ihrer Hunde einsetzen und deren Adoptionen fördern statt zu blockieren, würde sie die Leitung der Canili nicht in die Hände von Geschäftemachern sondern in die von wahren Tierschützern legen und würde das Tierschutzgesetz wirklich umgesetzt, wäre das Land bereits ein gutes Stück weiter.

Doch man will am Ist-Zustand nichts ändern. Viele ausländische Tierschutzvereine haben sich über die letzten Jahre mehr und mehr aus Italien zurückgezogen und ihre Arbeit auf andere europäische Länder konzentriert, in denen das Leid der Hunde nicht minder, aber die Rahmenbedingungen zum Helfen bessere sind. Ein Mitglied der LAV (Lega Anti Vivisezione), einer großen italienischen Tierschutzorganisation, sagte uns einmal: „Wenn ihr das Problem der Streuner löst, würden euch diese Tierschützer lynchen. Es ist alles, was sie haben und sie brauchen das…“ – wie traurig, dass Tiere für die psychischen und sozialen Mankos mancher Menschen herhalten müssen.

Der Text wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Claudia und ihrem Verein zur Verfügung gestellt.

In Tierheimalltag Süditalien aus 2008 beschreibt Claudia R., eine bekannte Tierschützerin in Italien, das Geschehen aus eigener Erfahrung und berichtet über Ergebnisse ihrer Recherchen und Befragungen Beteiligter. Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass sich bis heute kaum etwas an dieser Situation geändert hat, es ist eher schlimmer geworden.

Welch ein Armutszeugnis eines führenden EU-Landes!

Wie Sie uns konkret unterstützen können, haben wir unter „So helfen Sie!“ zusammengefasst.

zudenhunden2015.11.24

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